römisch-katholisch ...?

... ist die Bezeichnung römisch-katholisch nicht ein Widerspruch in sich: Entweder ist die Kirche katholisch (allumfassend) oder aber römisch.

unentwirrbar, wie ein Haufen Lärchennadeln

Dogma

 

Liebe Carole,

 

Was Frauen und Männer – und besonders Jugendliche – heute im Grunde zu brauchen scheinen, sind nachvollziehbare Argumente, besonders in den wichtigsten Fragen. Forderungen und Lehren werden heute nicht mehr einfach unbesehen angenommen. Wenn schon sollten Lehrentscheidungen und Dogmen der Rkk für jene Generation von Gläubigen nachvollziehbar sein, für die sie richtungweisend sein wollen.

 

Das Konzil von Jerusalem entscheidet für seine Zeit

 

Auf jeden Fall sollte der Jüngerkreis Jesu nie weiter als für seine eigene Zeit entscheiden, wie es das Apostelkonzil von Jerusalem tat. (Apg 15,22-29):

Die Apostel und die Ältesten traten zusammen, um die Frage zu prüfen [ob die Heiden beschnitten werden sollten]. Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott ... die Entscheidung getroffen, dass die Heiden ... das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen. (Apg 15,6f)

 

Damals mussten Dogmatiker noch keine Kapriolen machen

Den heftigen Streit schlichtet Petrus mit dem Hinweis auf die offenbare Tatsache, dass Gott keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden macht und beiden Geist und Glauben gleichermassen mitteilt. Nach seiner anscheinend nachvollziehbaren Argumentation schweigen alle. Danach folgt der Erlebnisbericht von Barnabas und Paulus von ihrer Mission unter den Heiden. Die Erfahrung zählt, nicht die Theorie von Experten oder Dogmatikern. Der sehr einfache Beschluss des Konzils wird nicht von Petrus, sondern von Jakobus zusammengefasst. Es werden im Wesentlichen zwei Verfügungen getroffen:

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl! (Apg 15,28f)

 

Die erste Verfügung, die Götzenopferfleisch, Blut und Ersticktes betrifft, ist offensichtlich situationsgebunden. Sie wird später ohne Probleme fallen gelassen.

Jedenfalls wurde mir nie verboten, diverse Blutwürste zu essen.

 

Dogma: ein starres Gerüst über unseren Köpfen

Die zweite Verfügung über die Unzucht muss natürlich in jeder Kultur separat interpretiert werde. Es geht darum,  Ungläubigen kein Ärgernis zu geben und die Freiheit, die aus der christlichen Botschaft folgt, nicht mit Unzucht zu verwechseln. Drei Zeilen Konzilsbeschlüsse in Jerusalem, da hat das 2Vat seriöser gearbeitet, seine Dokumente füllen ein ganzes Buch! Nicht Petrus allein, sondern Apostel, Älteste und bestimmt einige „gewöhnliche“ Jünger fassen den Beschluss. Offenbar gab es keine Einladung nur für Würdenträger. Es scheint, dass es eine recht informelle Versammlung war, unter dem Motto „Wer sich interessiert, ist herzlich eingeladen“. (Brief 4.1. des eBuchs)

 

Die Rolle des Petrus bestand offenbar „bloss“ darin, die Versammlung zum Nachdenken zu bringen und Raum zu schaffen für die Augenzeugen.
 

 

In Liebe Dein L. Theodor

 

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