Eine Alternative ...

... zu einem Leben mit Hierarchien in Politik und Wirtschaft müsste eine katholische Kirche bieten, damit die Worte Bruder oder Schwester überhaupt Sinn machen.

Hierarchie

 

Liebe Carole,

 

Ich meine, nicht einmal Gott wollte eine Hierarchie.

 

Jotam

 

Zur Zeit der Richter liess sich nämlich ein ziemlich nichtsnutziger Abimelech zum König salben, nachdem er seine siebzig Brüder ermordet hatte. Jotam, der jüngste Bruder von Abimelech, entkam als einziger dem Massaker. Jotam rief vom Gipfel eines Berges die folgende Fabel, um sein Volk zur Besinnung zu bringen:

 

Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König! Der Ölbaum sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?

 

Der Feigenbaum und der Weinstock lehnten die Salbung ihrer Früchte wegen ebenso ab.

 

Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Komm, sei du unser König! Der Dornenstrauch sagte zu den Bäumen: Wollt ihr mich wirklich zu eurem König salben? Kommt, findet Schutz in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen.  (Ri 9,8 ..15)

 

Für einen Hirten – und die Situation ist in eine Kultur von Hirten eingebettet – ist die "Nützlichkeit" eines Dornenstrauchs evident. Und die Aufforderung, dass die fruchtbaren Bäume im Schatten von Dornen Schutz finden sollen kann nur ironisch sein. Die Fabel stellt den zukünftigen König somit als böse, nichtsnutzig, minderwertig und schädlich dar. Jotam nennt Abimelech Sohn einer Sklavin (Ri 9,18) und zur Tötung seiner Brüder heuerte Abimelech – mit Geld aus einem heidnischen Tempel – Männer an, die zu allem fähig waren (Ri 9,4). Ist das nicht ein phantastischer Cocktail zur Einführung der Monarchie und damit von Hierarchie? (Brief 4.2. des eBuchs)
 

 

In 1Sam 8 wird ein weiteres Beispiel der Ablehnung von Hierarchie im Alten Testament angeführt. (Brief 4.2.)

 

Jesus scheint mit dem folgenden Wort die Argumentation des Buches Samuel wieder aufzunehmen:

 

Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen.  Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende. (Lk 22,25-26)

 

Dass autoritäre Führer wollen, dass ihnen geschmeichelt wird, habe ich konkret erlebt. Es gab eine Zeit, da folgten auf die Erwähnung des Namens des Präsidenten in der einzigen Zeitung unseres Landes obligatorisch zwei oder drei Zeilen von Titeln, mit denen man ihm am meisten schmeichelte. – Eine Frau auf dem Berg sagte mir, dass man früh aufstehen muss, um den Grossen immer wieder Danke zu sagen für ihre Wohltaten.

 

Eigentlich interessant, dass Jesus nach Lk nicht den Machtmissbrauch erwähnt, sondern eben, dass der Mächtige sich Wohltäter nennen lässt. Aber gerade diese Usurpation fälscht das Bild von Gott am meisten. Ein Mann, der Jesus „Guter Meister“ nennt, wird ganz klar korrigiert (mein eBuch "der andere Revolutionär Brief 3.3.):

 

Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut ausser Gott, dem Einen. (Mk 10,18)

 

Leider lassen sich Hierarchen der Rkk  mit Titeln, grossartigen Empfängen, Verbeugungen, ja mit Kniefall schmeicheln, eben wie bei den Adeligen vor ein paar hundert Jahren.

 

In Liebe Dein L. Theodor

 

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