wozu sind wir auf Erden?

Wir sind auf Erden, um Gott zu dienen, ihn zu lieben und einst in den Himmel zu kommen.

So hiess die erste Katechismus-Frage, die ich als Kind samt der Antwort auswendig zu lernen hatte.

katholisch?

 

Liebe Carole,

 

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr euch einander lieben. (Joh 13,34)

 

Der Schwerpunkt des neuen Gebotes Jesu scheint von der nebenstehenden Antwort des Katechismus verschieden. Das Heil ‒ und der Weg der dazu führt ‒ hat im Katechismus meiner Kindheit einen individualistischen Anstrich, es geht um Gott und um mich. Und dienen kommt vor lieben. Was natürlich den Hierarchen passt. Das Gebot Jesu hingegen spricht  wesentlich vom Miteinander, und das Wort „Gott“ kommt gar nicht vor.

 

Freiraum

 

Mit dem Umsetzen der Botschaft Jesu müsste eigentlich ein Freiraum geschaffen werden, der gerade den Gläubigen erlaubt, sich nicht in erster Linie dem Kult, sondern den Bedürfnissen aller Menschen zu widmen. Propheten kritisierten schon im Alten Testament die Beschränkung des Bundes auf kultisches Handeln, siehe z.B. Jes 1,10-17. Ein Freiraum ist notwendig, nur er erlaubt den Gläubigen, innerhalb der Gesellschaft Licht und Salz der Erde zu sein. Damit sie jenen helfen können, die unter der Abhängigkeit von anderen leiden, jenen, die heute und jetzt unfrei sind. Ist nicht ein Freiraum der Gewissen notwendig, damit der Mensch auch im Gewissen schöpferisch ist? Zwang schränkt die Kreativität doch ein, nur ein kreatives Gewissen findet zur Liebe. (Brief 5.1. des eBuchs)

 

Neuschöpfung

 

Sind die Seligpreisungen (Mt 5,3-11; daRev Brief 2.2.) nicht einfach Komponenten eines neuen Ziels des menschlichen Lebens und das in jeder Kultur?

Selig, die arm sind vor Gott ...

Ist es nicht ein Anliegen jeder und jedes Liebenden überall, dass der Partner nicht einfältig stolz und eingebildet ist?

Selig, die keine Gewalt anwenden ...

Ist es nicht ein Bedürfnis jedes Menschen in einem gewaltfreien Umfeld zu leben?

Selig, die ein reines Herz haben ...

Ist es nicht das Verlangen in jeder Ehe, bedingungslos auf die Treue des andern zählen zu können.

 

 ... Die Seligpreisungen scheinen Komponenten von Gaben des Vaters zu sein, die Jesus gewissermassen aus dem Sein des Menschen ausgräbt, indem er dieses Sein neu schafft. Es sind Zielvorstellungen für Menschen jeder Kultur. Ist das nicht begeisternd?

 

Äusserlichkeiten christlicher Glaubensgemeinschaften verstellen doch das Ideal der Freundschaft, in die Jesus uns hinein nehmen will. Die Aufspaltung in unzählige, manchmal miteinander streitenden Gemeinschaften, die sich auf Jesus berufen, ist ein Skandal. Nochmals: Nicht durch eine verschiedene Lehre oder eine andere Moral, sondern durch das Relativieren des Wesentlichen der christlichen Botschaft, dem Ideal der Freundschaft (daRev Brief 4.3.). Das aber ist Verrat am offenbar wichtigsten Anliegen Jesu. Der Verrat ist der Skandal.

 

Natürlich ist noch eine andere Spezies von Spaltpilzen im Streben nach Einheit zu erwähnen. Und vielleicht sind sie noch zerstörerischer als die Oligarchen. Sind nicht die Hierarchen, die Klerikalen, einfach die Pharisäer der Rkk und anderer Glaubensgemeinschaften dafür verantwortlich, dass entscheidende Energien nicht freigesetzt werden? Dass das Einigende nicht aufgezeigt wird, dass Kreativität verdächtig ist und dass sogar das Ziel des Menschen falsch aufgezeigt wird? (Brief 5.3. des eBuchs)
 

In Liebe Dein L. Theodor

 

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